Petition zur Rettung des Gewerbegebäudes


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Die CSS Versicherung als neue Grundeigentümerin und Bauherrin, der Stadtrat von Luzern, das Bildungs- und Kulturdepartement des Kantons Luzern und die kantonalen Denkmalbehörden werden aufgefordert, sich auf der Basis der wiederholten Bemühungen von Fachleuten seit 1990 und der 1. Petition der Fachverbände von 2002, sowie der vorliegenden unabhängigen Fachgutachten von 2017, endlich wirkungsvoller für die Erhaltung, den Schutz, die Sanierung und die Integration des Gewerbegebäudes Tribschen in Luzern, in eine neue Arealüberbauung einzusetzen. Petitionsbogen zum ausdrucken

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Statements


«Luzern ist mit Nouvel zu einem europäischen Standort moderner Architektur geworden. Und gleichzeitig wird der eigene Beitrag zum schweizerischen Bestand des «Neuen Bauens» liquidiert? – Das darf nicht wahr sein.»

Stanislaus von Moos, Dr. phil. Kunsthistoriker, emer. Professor Universität Zürich

«Die beiden Gutachten belegen klar: Das Gewerbegebäude gehört zweifelsfrei zu den kulturgeschichtlich und architektonisch bedeutendsten Pionierbauten der frühen Moderne in der Region Zentralschweiz.»

Patrik Bisang, dipl. Arch. ETH/BSA/SIA, Luzern, Präsident SIA Zentralschweiz

«Das Gewerbegebäude verkörpert in seiner ursprünglichen Form die Grundsätze des Neuen Bauens in besonderer Qualität und ist deshalb ein ausserordentlich schutzwürdiges Baudokument.»

Norbert Truffer, dipl. Arch. FH/BSA/SIA, Obmann BSA Zentralschweiz

«Das Gewerbegebäude soll als wichtiger Zeitzeuge der Baukultur und als herausragender Solitär im neu gebauten Tribschen Quartier aufgewertet werden.»

Eugen Brühwiler, Dr. dipl. Bauing. ETH/SIA, Professor ETH Lausanne

«Der Schweizer Heimatschutz ist Anwalt unserer Baudenkmäler. Heimat verstehe ich als Vertrautheit mit einem bestimmten Ort oder einem Objekt. Das Gewerbegebäude mit seiner Geschichte und architektonischer Besonderheit aus früheren Zeiten muss deshalb erhalten bleiben».

Adrian Schmid, Geschäftsleiter Schweizer Heimatschutz

«Die pionierhafte ursprüngliche architektonische Konzeption … und die Gebäudetypologie … setzen das Bauwerk durchaus auf die Stufe der bedeutendsten Werke des Neuen Bauens in der Schweiz.»

Michael Hanak, Kunst- und Architekturhistoriker lic.phil. I, Zürich

Begründung


Die Bedeutung der frühen Moderne und des Neuen Bauens

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts befand sich Europa und die Schweiz in einem epochalen, gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Umbruch. Diese Bewegungen beruhen auf Erkenntnissen und Möglichkeiten von Wissenschaft, Technik, Industrie und Kultur. Diese Errungenschaften sind zu einer wesentlichen Basis unserer heutigen Zivilisation und unserer Gesellschaft geworden. Daraus hat sich auch ein neuer Städtebau und eine neue Architektur, das Neue Bauen, entwickelt, die bis heute eine wesentliche Grundlage der Moderne in der Architektur geblieben sind. Deshalb sind die bedeutenden Pionierbauten der frühen Moderne besonders wichtige Baudokumente für unsere Gesellschaft und unsere jüngere Kulturgeschichte. Wir haben deshalb besonderen Grund ihnen Sorgfalt und Schutz zu gewähren. Trotzdem sind in unserer Region diese jüngeren Pionierbauwerke der frühen Moderne in der politischen Akzeptanz und fachlichen Praxis noch immer Stiefkinder geblieben.


Zur Entstehung des Gewerbegebäudes Tribschen von 1933

1932 zerstörte ein Brand das Gewerbegebäude am Mühleplatz in der Luzerner Altstadt. Zwanzig Gewerbebetriebe mit 200 ArbeiterInnen verloren ihren Arbeitsort. Ein Teil dieser Gewerbetreibenden entschloss sich 1932 zur Gründung der «Genossenschaft Gewerbegebäude der Stadt Luzern» und planten mit dem jungen Architekten Carl Mossdorf (1901-1969) ein neues Gewerbegebäude. Von der Stadt Luzern erwarb die Genossenschaft eine Parzelle an der Tribschenstrasse. Zusätzlich gewährte die Stadt ein Darlehen zum Bau. Im Oktober 1933 war das neue Gewerbegebäude als einfacher wirtschaftlicher Zweckbau fertiggestellt.


Zur Bedeutung des Gewerbegebäudes Tribschen von 1933

In seiner originalen Form gehört das Gewerbegebäude zu den bedeutendsten Beispielen in der Zentralschweiz. Seine Architektur wurde konsequent nach den Prinzipien des Neuen Bauens verwirklicht. Das Bauwerk weist weder regionalistische noch traditionalistische Formenelemente auf, was den Bau für die Zentralschweiz noch einzigartiger macht. Carl Moosdorf realisierte einen betont modernen Zweckbau und erreichte dies mittels einer Skelettkonstruktion in Eisenbeton mit begehbarem Flachdach, mit innen liegenden Stützen, einer klaren Proportionierung der Fassadenöffnungen mit fassadenbündigen metallenen Bandfenstern und mit offenen Laubengängen. Im Innern stehen einfache und in ihrer Funktionalität überzeugende Details für die Absicht des Architekten einen Bau nach dem Programm der zeitgenössischen Avantgarde zu errichten. Leider wurden die Fassaden in den 60er Jahren unsensibel verändert und die baulichen Unterhaltsmassnahmen bis heute vernachlässigt, wodurch das Gebäude an oberflächlicher Ausdruckskraft eingebüsst hat. Die wesentlichen Eigenschaften des Bauwerkes, die Grundstruktur, die Konstruktion und die übrigen Gestaltungselemente aus der Bauzeit blieben bis heute erhalten und können deshalb saniert werden.


Das Gewerbegebäude Tribschen ist vom Abbruch bedroht

Leider wurde die Bedeutung dieses bedeutenden Pionierbauwerkes der frühen Moderne von den Behörden der Stadt und des Kantons Luzern nicht ernst genommen, trotz wiederholten Bemühungen von Fachpersonen und Fachverbänden seit 1990. Auch die 1. Petition u.a. zur Erhaltung dieses Bauwerkes (sie wurde im Jahr 2002 von 2314 Personen unterzeichnet) wurde vom Stadtrat abgelehnt. Der Bau ist seit Jahren im Entwurf der Kulturobjekte als schützenswert eingetragen und auch eine alternative Projektstudie liegt vor. Die Behörden von Stadt und Kanton haben jedoch bis heute keine fundierte Beurteilung des Gewerbegebäudes in Auftrag gegeben und trotzdem wiederholt ihr grundsätzliches Einverständnis zu einem Abbruch erteilt. Deshalb haben wir zwei schweizerisch anerkannte Fachleute zum Thema des Neuen Bauens mit einer fundierten und unabhängigen Gesamtbeurteilung dieses Bauwerkes beauftragt: Darin stuft Eugen Brühwiler, Professor dipl. Bauing. ETH/SIA, ETH Lausanne, das Gewerbegebäude als einen Pionierbau von nationaler Bedeutung ein und der Kunsthistoriker Michael Hanak aus Zürich misst dem Bauwerk regionale bis nationale Bedeutung bei.

Petitionskomitee 2 für das Gewerbegebäude Tribschen Luzern


Die Zentralschweizer Sektionen der folgenden Organisationen: BSA Bund Schweizer Architekten, SIA Schweizer Ingenieur- und Architektenverein, IHS Innerschweizer Heimatschutz, SHS Schweizer Heimatschutz, SWB Schweizerischer Werkbund